Phänomen Legasthenie

Legasthenie-Werkstatt Monika Bieli, Basel

Die Begriffe Legasthenie, Leseschwäche oder Dyslexie werden heute oft durch den Begriff Lese-Rechtschreibstörung (LRS) ersetzt.

Man spricht von einer erworbenen Lese-Rechtschreibstörung, wenn sie durch psychische Ursachen, Stresssituationen, Entwicklungsverzögerungen oder neurologische Ursachen (Krankheiten, Unfälle) hervorgerufen wird. Mangelnde Bewegungs- und Sinneserfahrungen im Kleinkindalter, ungenügende Beschulung oder Mehrsprachigkeit können ebenfalls ausschlaggebend sein.

Die Primärlegasthenie ist erblich und bleibt eine Veranlagung, welche unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Sie ist nicht von der Intelligenz abhängig und auch keine Krankheit. Vereinfacht könnte man sagen, Legastheniker haben die Möglichkeit, Dinge anders wahrzunehmen. Trotz ihrer Schwierigkeiten haben viele Legastheniker einen guten Zugang zur Sprache. Umgangssprachlich überraschen sie oft mit treffenden Umschreibungen, und sind wortgewandt. Allerdings bereiten ihnen Fremdwörter oder die Umsetzung ihrer Gedanken in einen schriftlich korrekten Text enorme Mühe. So sind Aufsätze zwar fantasievoll geschrieben, jedoch übersät mit Fehlern. Die Schwierigkeiten liegen darin, die differenzierten Vorgänge, welche zum Lesen und Schreiben führen, effektiv miteinander zu koordinieren. Grundsätzlich liegen Probleme bei der Sinneswahrnehmung zugrunde: Hörverarbeitung, Sehverarbeitung, Raumwahrnehmung, Raumorientierung. Ausserdem spielen die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit eine grosse Rolle. Legasthene Menschen haben eine ganze Reihe von speziellen Symptomen, mit denen sie konfrontiert sind.

Symptome beim Schreiben

  • Die Phonem-Graphem Zuordnung ist erschwert, z.B. bei pf, ch, sch, nm, äu, npf, mpf
  • Verwechslung von klangähnlichen Lauten z.B. d/t, g/k, b/p/, n/m, ng, nk, ä/e, äu/eu, ai/ei, f/v
  • Buchstaben oder ganze Wörter werden ausgelassen
  • Unklare Wahrnehmung der Ausrichtung von Buchstaben (Spiegeln) z.B.: db, qp, ZN, MW, dp, bg
  • Fehler im Satzbau, bei der Anwendung der Zeiten und bei den Fällen
  • Unfähigkeit, Rechtschreibregeln direkt während des Schreibens anzuwenden

Achtung: das Spiegeln von Buchstaben alleine ist kein Indiz für eine Legasthenie. Es handelt sich um einen Entwicklungsprozess des Schreibens, der bei allen Kindern auftritt.

Ist der Legastheniker sehr müde, tritt das 'Spiegeln' gehäuft auf. Es können ganze Wörter gespiegelt geschrieben oder geknetet werden, ohne dass dies der SchülerIn auffällt.

Symptome beim Lesen

  • Die LeserIn kommt nur stockend voran, wiederholt mehrfach den gleichen Wortanfang
  • Ganze Zeilen werden übersprungen
  • Wortendungen werden ausgelassen
  • Verwechslung von Buchstaben, z.B. d/b, ei/ie, e/a, o/a

Nicht selten sind bei legasthenen Menschen das bildhafte und räumliche Vorstellungsvermögen stark ausgebildet, was ihnen bei der späteren Berufswahl zugute kommt. Oft werden Berufe in handwerklichen, medizinischen oder in gestalterischen Bereichen gewählt.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in der Rubrik Legasthenie-Therapie, Literatur Legasthenie oder Links zum Thema.